Der Schweizer René Gardi (1909-2000) erklärte uns über Jahrzehnte hinweg den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner. In Büchern, Fernsehsendungen und Filmen schwärmte er von den schönen nackten Wilden und der vormodernen Zeit, in der sie lebten. Die angeblich heile Welt wurde zu Gardis Paradies und Afrika zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Zuhausegebliebenen.   

 

Der Film AFRICAN MIRROR erzählt die Geschichte unseres problematischen Afrikabildes anhand Gardis Archiv, in dessen ambivalenten Bildern sich unser europäisches Selbstverständnis vielfach spiegelt. Der Film entlarvt das Bildermachen als eine Form des Kolonialismus und zeigt, wie wir uns bis heute einem Blick in diesen Spiegel verweigern.

 
 

Trailer

News

 

 

Kinostart Deutschschweiz: 14. November 2019

 

Premieren und Spezialveranstaltungen 
in Anwesenheit von Regisseur Mischa Hedinger
(Reservation empfohlen!)

Dienstag, 12. November, 20:00 Vorpremiere im Kino Kinok, St.Gallen
Gespräch mit Patricia Holder, Kulturwissenschaftlerin 

Mittwoch, 13. November, 18:30 Vorpremiere im Kino Riffraff, Zürich

Donnerstag, 14. November,  20:15 Premiere im Kino Rex, Bern
Gespräch mit Kaspar Surber, Historiker und Redaktor WoZ

-> Achtung: Die Vorstellung um 20:15 ist bereits ausverkauft.

Es gibt weitere Vorstellungen um 18:00 im Rex1 und um 20:30 im Rex2.

Alle Vorstellungen in Anwesenheit von Mischa Hedinger.

Freitag, 15. November, 20:15 Premiere im Kino Fachwerk, Allschwil

Montag, 18. November, 18:00 Spezialveranstaltung im Kino Rex, Bern
Gespräch mit Christof Dejung, Professor für Neueste Geschichte, Universität Bern

Dienstag, 19. November, 18:30 Spezialveranstaltung im Kino Riffraff, Zürich
Gespräch mit Gesine Krüger, Professorin für Geschichte der Neuzeit, Universität Zürich, Kooperation mit dem Geschichtskontor des Historischen Seminars der Universität  Zürich 

Donnerstag, 21. November, 19:00 Premiere im Stattkino, Luzern​
Gespräch mit Felix Rauh, Historiker

Donnerstag, 28. November, 20:15 Spezialveranstaltung im Kino Fachwerk, Allschwil.  Gespräch mit Calvin Minfegue Assouga, Politikwissenschaflter der Université Catholique d’Afrique Centrale Yaoundé und Julia Büchele, Kulturwissenschaftlerin. Kooperation mit dem Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel

Freitag, 29. November, 20:15, Premiere im Kino Rex, Biel/Bienne
Gespräch mit Serena O. Dankwa, Sozialanthropologin und Geschlechterforscherin

 

Samstag 30. November, 15:00, Kino im Schloss Oberhofen

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende

 

Samstag 30. November, 20:00, Lichtspiel/Kinemathek Bern
Gespräch mit Felix Rauh, Historiker

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende

 

Sonntag 1. Dezember, 11:00, Kino Kupferschmiede Langnau

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende

 

Sonntag 1. Dezember, 13:00 Cinématte Bern

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende

Sonntag 1. Dezember, 15:00 Filmpodium Biel/Bienne

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende

 

Sonntag 1. Dezember, 20:30 Kino in der Reitschule Bern

Vorstellung im Rahmen von BE MOVIE — das Berner Filmwochenende


Weitere Vorstellungen in diesen und anderen Kinos entnehmen Sie ihrem Kinoprogramm oder Sie klicken hier!


Premierendaten für weitere Orte werden in Kürze bekannt.

 

 

Festivals:

Berlinale Forum (World Premiere)
Thessaloniki Documentary Film Festival (International Competition)
Dokumentarfilmwoche Hamburg

Docaviv Tel Aviv International Documentary Festival (Depth of Field Competition)

Freiburger Filmforum

dokKa Dokumentarfestival Karlsruhe

International Film Festival Cinematik Piešťany

Kino Visions Festival Marseille

Mostra São Paulo International Film Festival (New Filmmakers Competition)

Lagos Archival Film Festival

Viennale Vienna International Film Festival

Französische Filmtage Tübingen/Stuttgart

IDFA International Documentary Film Festival Amsterdam (Best of Fests)

Beijing International Short Film Festival

weitere Festivals werden in Kürze bekannt gegeben.


Pressestimmen:

„In seiner brillanten Montage aus Gardis eigenem Archivmaterial, Texten wie Bildern, verzichtet Mischa Hedinger auf jeglichen Kommentar und lässt stattdessen das Material über und gegen seinen Macher sprechen. Ein auf so vielen Ebenen souveräner Film.“
Hannah Pilarczyk, Spiegel Online

„Der Film ist gescheit gemacht, weil er Gardis Afrikabild mit den eigenen Waffen entlarvt: eine Demontage durch Montage.“
Pascal Blum, Tages-Anzeiger

„Ein ungemein kluger, mehrfach verspiegelter Essay zum postkolonialen Selbstverständnis der Schweiz.“
Florian Keller, Wochenzeitung WOZ

„Hedinger illuminates what is artfully obscured in colonial ethnography. European motives. AFRICAN MIRROR is an important readjustment of focus, which will certainly throw up many questions and discussions.“
Fenja Akinde-Hummel, The Upcoming

 

„A portray of a well-meaning racist-filmmaker. Top 10 of Berlinale 2019.“

Olaf Möller, Mubi


„Ein fulminanter Dokumentarfilm."
Caroline Fetscher, Tagesspiegel

„Einige der klügsten Filme sind bei der diesjährigen Berlinale solche, die sich mit Afrika befassen. Wie eben "African Mirror", in dem der Schweizer Filmemacher Mischa Hedinger das Lebenswerk seines Landsmanns Gardi kritisch aufbereitet und auseinandernimmt.“
Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung

 

„Strong.“

Berlinale critic’s jury - critic.de

Andrey Arnold (Die Presse), Dunja Bialas (artechock), Hannes Brühwiler (critic.de), Kevin B. Lee (alsolikelife)

 

„An eye-opening documentary essay.“
Carlota Moseguí, Cineuropa

„Überragend“
Swantje Karich, Die Welt

„A work of cinematographic field research. It is about the transcontinental history of media, their means of production and how in 20th-century Switzerland both were influenced significantly by one flamboyant character. African Mirror does indeed function as a mirror which equally serves to reflect on present-day images of Africa .“
Dorothee Wenner, Berlinale Forum

„René Gardi als Relikt aus der Vergangenheit abzutun, scheint eine allzu bequeme Lösung, die ignoriert, wie wenig sich bis heute oft geändert hat."
Michael Meins, Tageszeitung Taz

„Hedingers afrikanischer Spiegel reflektiert unbequemerweise unsere Blickwünsche zurück auf uns selbst. (…) Solche Demontagen und Selbstentlarvungen von Subtexten der Macht kann man übrigens sehr wohl auch genießen. Sie sind nämlich intelligent, selten, und sehr witzig.“
Friederike Anders, Urbanfilm

„The strategy with which Hedinger uses Gardi's material not only turns the African continent into a mirror, it also illustrates how the cinematic medium can be used to manipulate and influence consciousness.“
Kalliopi Pouthouroglou, Cinephilia.GR

„This film offers a rare opportunity to reflect on the function of images between mediation and enslavement.“
Mathieu Li-Goyette, Panorama-Cinema

„Hedinger unravels what is behind words and intentions by opposing image and narration.“
Ramon Rey, Cinemaldito

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Directors Statement

Durch längere Aufenthalte in Westafrika wurde ich mir meiner persönlichen Verstrickung in Vorurteile und klischierte Afrikabilder bewusst. Ich verbrachte unter anderem sieben Monate in Burkina Faso, wo ich für eine NGO Imagefilme realisierte. Die Rolle als weißer Filmemacher in einem Land, mit dessen Geschichte und Kultur ich nur bedingt vertraut war, löste in mir oft Unbehagen aus. Ich wurde sensibilisiert für Afrikabilder und deren mediale Vermittlung. 

 

Ich erinnerte mich an die Afrikabücher René Gardis in meinem Elternhaus. Der Schweizer Reiseschriftsteller René Gardi (1909-2000) erklärte uns über Jahrzehnte hinweg den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner. In unzähligen Büchern, Fernseh- und Radiosendungen und Filmen schwärmte er von den schönen nackten Wilden und der vormodernen Zeit, in der sie angeblich lebten. Gardis Erzählung stieß weit über den deutschsprachigen Raum auf großes Interesse. Seine Bücher wurden in dutzende Sprachen übersetzt, seine Filme liefen im japanischen und britischen Fernsehen. Für seinen Dokumentarfilm MANDARA - ZAUBER DER SCHWARZEN WILDNIS, der 1960 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin lief, erhielt Gardi eine lobende Erwähnung. 

 

Dann erfuhr ich vom noch kaum bearbeiteten Nachlass von René Gardi. Ein Archiv mit Tagebüchern, Briefen, Zeitungsartikeln, Filmrollen, Tonbändern und über 30.000 Fotografien, der größte Teil davon unveröffentlicht. Gardis Afrika war subjektiv und konstruiert. Die Szenen in seinen Filmen waren oft sorgfältig inszeniert, so dass sie keine Spuren von „Modernität“ zeigten. Das Leben in den Großstädten wurde bewusst ausgeblendet. Diese Sicht auf Afrika erzählt viel über Europa. Man sehnte sich zurück nach einfachen, bäuerlichen Zeiten fern jeglicher Industrialisierung. Andererseits wollte man aus den konservativen Gesellschaften ausbrechen und eine andere Form von Freiheit finden. Die Freiheit der Weißen beruhte auf der Unfreiheit der schwarzen Menschen. Sobald die afrikanischen Staaten unabhängig wurden, die Bewohner also ihre eigene Freiheit erlangten, fühlten sich die Weißen in Afrika nicht mehr frei.

 

Es ist bemerkenswert, dass René Gardi selbst die Widersprüche in seinem Werk nie thematisiert hat. Ich frage mich, ob sie ihm bewusst waren? Aus Gardis Sicht war Afrika das Land der Freiheit, Afrikaner waren wahre Demokraten, denen man jedoch selbstverständlich die Gehöfte niederbrennen musste, wenn sie die koloniale Steuer nicht bezahlten. Sich selbst verstand Gardi dabei nicht als Teil des Problems. Er sah sich als Beobachter, der die Wahrheit möglichst ungekünstelt festhielt. 

 

René Gardi liess die Europäer von Abenteuern und Freiheiten träumen, in einer Zeit, in der den meisten Menschen solche Reisen unmöglich waren. Viele Schweizerinnen und Schweizer haben Afrika durch Gardi kennengelernt. Es ist, als kreierte er mit seinem Werk Kolonien für die Schweiz. Das Verhältnis der Schweiz zum Kolonialismus wird heute oft als «Kolonialismus ohne Kolonien» beschrieben. Die Schweiz besaß selbst nie Kolonien, profitierte aber finanziell vom Handel mit den Kolonialmächten. Auch das Bildermachen und Verkaufen, wie es Gardi praktizierte, war ein wichtiger Bestandteil dieser anderen Art von Kolonialismus. Bis heute gab es keine kritische Auseinandersetzung mit Gardis Werk, immer wieder erlag man seinen Schwärmereien.

Als ich während meinen Recherchen einen Gerichtsfall rund um René Gardi entdeckte, war ich sehr überrascht. Gardi wurde 1945 wegen «Unzucht mit Kindern» verurteilt. Bis heute gibt es keine Aufarbeitung dieser Missbrauchsfälle, man schwieg sich darüber aus. Es lassen sich unschwer Verbindungen zwischen Gardis sexueller Neigung und seiner Afrika-Obsession erkennen. Die Suche nach einer unschuldigen Reinheit beispielsweise, scheint ein Leitmotiv Gardis zu sein.

 

Mein Film AFRICAN MIRROR besteht fast vollumfänglich aus Bild-, Ton- und Textdokumenten aus dem Archiv von René Gardi. In der Montage des Materials versuche ich die Widersprüche und Konflikte dieses Archivs herauszuarbeiten. Bild und Ton werden in ein neues Verhältnis gesetzt, die Bilder beginnen zu denken. Ohne einen einordnenden Kommentar oder Interviews werden die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Gedanken und Erlebnissen von René Gardi konfrontiert. Der Film schafft so einen Erfahrungsraum, der zum Mitdenken anregt und die eigene Verstrickung in koloniale Denkweisen zeigt.

Der Film AFRICAN MIRROR erzählt die Geschichte unseres Afrikabildes. Das Afrikabild des Westens ist bedingt durch die Selbstwahrnehmung. Man sieht sich im Anderen. Jede Gesellschaft hat das Bedürfnis nach Bildern des Anderen, um dadurch ihre eigene Identität zu bestimmen. Ich denke, dass Gardis Werk nicht von Afrika und den AfrikanerInnen handelt, sondern von uns und unserer Geschichte erzählt. Oder um es mit den Worten des kamerunischen Philosophen Achille Mbembezu sagen: „Das, was wir „Afrika“ nennen, ist eine Ansammlung von Wünschen, Sehnsüchten und naiven Fantasien. Diese werden gefördert, weiterverbreitet und bewirtschaftet.“

Mischa Hedinger

Weiterführende Texte zum Film finden sie in unserem Reader, der als Publikation in den Kinos aufliegt. Der Reader soll eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Film und den Fragen, die dieser aufwirft ermöglichen. Als Pdf herunterladen.

 
 

Credits 

Buch, Regie, Schnitt 

Mischa Hedinger

Dramaturgie, Schnitt

Philipp Diettrich

Sprecher René Gardi

Markus Amrein

Sprecherin

Rachel Braunschweig

Musik 

Machinefabriek (Rutger Zuydervelt)

Wissenschaftliche Beratung

Felix Rauh

Gaby Fierz

Farbkorrektur und Postproduktionsassistenz

David Röthlisberger

Sounddesign 

Fabian Gutscher

Daniel Hobi

 

Sprecheraufnahmen & Mischung

Daniel Hobi

Untertitel

Peter Jud 

Pierre Soltermann

Archiv

Staatsarchiv des Kantons Bern

 

Beratung und Assistenz Archiv

Silvia Bühler

 

Digitalisierungen Fotos

Lea Ritter

 

Staatsarchivarin 

Barbara Studer Immenhauser

 

Digitalisierungen Film

Lichtspiel / Kinemathek Bern

Brigitte Paulowitz

Christine Gissler

Eliane Antonia Maurer

David Landolf

 

Mediendokumentation, Archiv SRF

Corina Zuber

 

Musik Lizenzierung

Claudio Bucher

 

Grafische Gestaltung

Lars Egert

 

Produktion

Simon Baumann

ton und bild GmbH

 

Produktionsassistentin

Kathrin Gschwend

 

In Koproduktion mit 

SRF Schweizer Radio und Fernsehen

Redaktion Urs Augstburger

Mit Unterstützung von

Berner Filmförderung

Kulturfonds Suissimage

Ernst Göhner Stiftung

éducation 21 I Filme für eine Welt

Burgergemeinde Bern

Staatsarchiv des Kantons Bern

MEDIA Desk Suisse

Ministerium für Kultur und Wissenschaft

des Landes Nordrhein-Westfalen

Atelierstipendium Städtekonferenz

 

Contact

 

 

Production company

ton und bild GmbH

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Kontrollstrasse 26

2503 Biel

Switzerland

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